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Leitbild für die Einwanderungsgesellschaft

Im Gegensatz zur Idee einer abendländisch-christlichen „Leitkultur“ fehlte es in Deutschland bis heute eine „Leitbild“-Diskussion. Ein Leitbild, das es endlich beschreibt, wie das Selbstverständnis einer deutschen Einwanderungsgesellschaft auszusehen hat.
Um diese Debatte zu führen und dann das neu entwickelte Leitbild in die deutsche Verfassung zu überführen, forderte beispielsweise der „Rat für Migration“ Anfang Januar 2015 die Gründung einer fachlich und politisch überparteilich besetzten Kommission, ein Gremium etwa vergleichbar mit dem Ethikrat.

Unter der Leitung der Integrationsministerin der Bundesregierung und Federführung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) erarbeitete eine 38-köpfige Kommission aus Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Wirtschaft, den Medien, Gewerkschaften, Kirchen und Migrantenorganisationen in den letzten Monaten ein Leitbild heraus. Am 14. Februar 2017 präsentierten sie dann die Ergebnisse in Berlin in der Veranstaltung „Miteinander in Vielfalt“.

Die Kommission wollte mit dem Leitbild und der damit zusammenhängenden Agenda der Einwanderungsgesellschaft mehrere Ziele verbinden:

• Die Definition eines Leitbildes, hinter dem sich Deutschland in den kommenden Jahrzehnten versammeln könnte („Das ist Deutschland“).
• Das Leitbild sollte sich an die gesamte Gesellschaft richten. Seine Adressaten sind nicht nur Bürger/innen mit Einwanderungsgeschichte.
• Das Leitbild sollte ein realistisches Verständnis der Gegenwart beschreiben.

Um diese Ziele zu erreichen, hat die Kommission einen breiten und integrativen Dialog über die Grundbedingungen eines gelingenden Zusammenlebens in Vielfalt geführt, in dem sich verschiedene Sichtweisen auf Politik und Gesellschaft spiegeln. Als zentrale Herausforderung durchzog die Diskussionen der Kommission die Frage, wie es im Leitbild gelingen kann, zugleich Neueinwandernde, Deutsche mit Einwanderungsgeschichte sowie Deutsche ohne Einwanderungsgeschichte gleichzeitig im Blick zu behalten. Anspruch der Kommission
war, alle Perspektiven einzubeziehen und so ein Leitbild zu entwerfen, in dem sich alle wiederfinden können.

Das neu entwickelte und vorgeschlagene Leitbild besteht aus folgenden neun Leitgedanken:

  1. Deutschland ist ein Einwanderungsland.
  2. Einwanderung birgt Chancen und Risiken – auf die Ausgestaltung kommt es an.
  3. Teilhabechancen als zentrales Gerechtigkeitskriterium.
  4. Das Grundgesetz ist die Basis.
  5. Vielfalt ist eine Tatsache, Zugehörigkeit kann erworben werden und sind wandelbar.
  6. Gemeinsamkeiten entstehen im Zusammenleben.
  7. Diskriminierung verhindert Teilhabe.
  8. Konflikte können gelöst werden.
  9. Deutschland steht vor einer guten Zukunft.

Den gesamten Inhalt des Leitbildes kann man lesen unter: https://www.fes.de/de/themenportal-flucht-migration-integration/leitbild-miteinander-in-vielfalt/