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„Lernen vor Ort“ schafft mehr Bildungsgerechtigkeit!

Die Bildungsbeteiligung von Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund und ihre Bildungserfolge sind Kernbereiche einer modernen Gesellschaftspolitik. Denn Bildung ist für ihre Integration in die Gesellschaft von herausragender Bedeutung. Das Leitmotiv der Bildungspolitik ist und bleibt Bildungsgerechtigkeit für alle. Dabei versteht es sich von selbst, dass dieses Ziel nicht nur durch Bildungseinrichtungen allein, sondern durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure und Maßnahmen des Sozialraums umgesetzt werden kann.

Wie notwendig dieses Zusammenwirken ist, darauf verweisen eindrücklich die nachfolgenden Fakten aus den Bereichen Bildung, Gesellschaft und Arbeitsmarkt:

  • Die Zahl der Kinder im Vorschulalter ohne ausreichende Deutschkenntnisse beträgt in manchen Bundesländern bereits mehr als 20 Prozent.
  • Rund acht Prozent aller deutschen Schülerinnen und Schüler verlassen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Schule ohne qualifizierten Abschluss. Kinder mit Migrationshintergrund sind davon doppelt so oft betroffen.
  • Die Chance eines Kindes aus einer Akademikerfamilie, auf ein Gymnasium zu kommen, ist nach Erhebungen der OECD dreifach so hoch wie die eines Kindes eines Facharbeiter-Elternpaares.
  • Während 50 Prozent der Menschen zwischen 19 und 64 mit Abitur in Deutschland im Laufe eines Jahres aus beruflichen Gründen Weiterbildungsangebote nutzen, nehmen nur 17 Prozent derjenigen mit Hauptschulabschluss diese Gelegenheit wahr.
  • In Deutschland droht ein akuter Fachkräftemangel.
  • Die Gesellschaft altert. So geht das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung davon aus, dass der Anteil der über 65-Jährigen bis 2030 von derzeit 20 auf 29 Prozent steigt.
  • Die durchschnittliche Verweildauer am Arbeitsplatz beträgt laut OECD zehneinhalb Jahre. Dann erfolgt ein Arbeitsplatzwechsel.
  • Immer mehr Menschen müssen mehr als eine Tätigkeit ausüben und über entsprechende Fertig- und Fähigkeiten verfügen.

Diese und viele weitere Herausforderungen sind seit Jahren bekannt. Die richtige Antwort auf diese Herausforderungen lautet: „Lernen vor Ort“. Damit das Lernen im gesamten Lebenslauf erfolgreich sein kann, müssen die Bildungsstationen und –angebote vor Ort wie ein stimmiges, integriertes System aufeinander bezogen und abgestimmt sein. Dieses System soll dazu beitragen, „Bildung für alle“ und in allen Phasen des Lebens zu ermöglichen. Das beginnt in der Familie; setzt sich über die Ausbildung/Studium fort und beinhaltet auch die Fort- und Weiterbildung bis ins hohe Alter. Es macht die Einzelnen fit für die Herausforderungen einer globalisierten Zeit.

In diesem Zusammenhang kommt dem lokalen Bildungsmanagement eine besondere Funktion zu. Diese Funktion übernehmen in München die bereits bestehenden Bildungslokale in den einzelnen Stadtteilen, die seit einigen Jahren sehr erfolgreich arbeiten. Der Münchner Stadtrat hat im September einen ganz wichtigen bildungspolitischen Beschluss gefasst, im kommenden Jahr zwei weitere Bildungslokale in Freimann und Ramersdorf zu eröffnen. Gegenwärtig gibt es in der Landeshauptstadt München sechs Bildungslokale: im Hasenbergl, in Neuperlach, Neuaubing/Westkreuz, Riem, auf der Schwanthalerhöhe sowie in Berg am Laim/Ramersdorf. Zusätzlich hat der Stadtrat die Stadtverwaltung beauftragt, zu prüfen, ob aus Mitteln des Projekts „Soziale Stadt“ ein weiteres Bildungslokal in Moosach eingerichtet werden könnte.
Bildungslokale tragen dazu bei, ungleich verteilte Bildungschancen in den Münchner Stadtteilen auszugleichen und damit mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Dies ist ein zentrales Anliegen der städtischen Bildungspolitik.