Schriften

Was macht eine gute Schule aus?

Die erste Pisa-Studie 2001 erschütterte das deutsche Bildungssystem. Damals stellten die Forscher noch fest: Deutschlands Bildungssystem hat Schwächen, zum Beispiel im Bereich Lesen: Jeder vierte Schüler konnte damals Texte nicht verstehen. Oder: In Mathe kamen 15-Jährige nicht über Grundschulniveau hinaus. Stattdessen feierten sich Finnland oder Kanada, Südkorea oder Japan als Bildungsnationen. Die deutschen Kultusminister reagierten – mehr Ganztagsunterricht, mehr frühkindliche Bildung, mehr eigenverantwortliches Lernen, so sahen die Beschlüsse aus. Die Experten empfahlen mehr gemeinsamen Unterricht. Schule sollte nicht nur auf Noten schauen, sondern auf die individuellen Stärken und Schwächen von Kindern.

Was hat sich inzwischen geändert? Wie haben die Schulen auf diese Defizite und Empfehlungen reagiert?

In allen Diskussionen und Bemühungen stand und steht immer die gleiche Kernfrage: Was macht eine gute Schule aus?

Die jährlich mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Schulen geben meines Erachtens die besten Antworten und pädagogischen Ansätze auf diese Frage. Dieses Jahr erhielten zwei Münchner Schulen diese bedeutende Auszeichnung: die städtische Anne-Frank-Realschule in Pasing ist die Schule des Jahres 2014 (100.000 Euro Preisgeld) und SchlaU-Schule- Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge gewann den Preis der Jury (25.000 Euro Preisgeld).

Was machen diese Schulen anders?
Die Städtische Anne-Frank-Realschule in München ist eine Mädchenschule mit naturwissenschaftlichem Profil. Mit ihrer Arbeit leistet die Schule einen wichtigen Beitrag dazu, Mädchen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und dem Fachkräftemangel in MINT-Berufen entgegenzuwirken. „Diese Schule verliert niemanden“, lobt Professor Michael Schratz von der Universität Innsbruck, der Sprecher der Jury. „Alle Jugendlichen werden hier zu einem Abschluss geführt, über 60% haben nach der Mittleren Reife die Möglichkeit ihr Abitur zu machen“, so Schratz. Außerdem suchen die Lehrer nach passenden beruflichen Perspektiven für ihre Schülerinnen. So bekommen die Mädchen immer wieder die Chance, sich auch außerhalb der Klassenzimmer auszuprobieren, zum Beispiel während der Chemie- und Physik-Tage an der Ludwig-Maximilians-Universität. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Schule liegt in der Lernstruktur, die aus kleinen, stabilen Gruppen besteht. In sogenannten Lernhäusern werden mehrere Jahrgangsstufen in räumlich zusammenliegenden Klassenzimmern von einem festen Pädagogen-Team unterrichtet. Zweimal in der Woche arbeiten die Schülerinnen eigenverantwortlich und in altersgemischten Gruppen in sogenannten Lernbüros. Wie alle bisherigen Preisträger beweist die Anne-Frank-Realschule, dass Eigeninitiative, Offenheit für Veränderungen und der nicht nachlassende Anspruch, noch besser zu werden, mindestens genauso wichtig sind, wie eine gute Ausstattung mit Lehrpersonal und finanziellen Mitteln.

Die ‚SchlaU-Schule‘ in München, ist eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule für minderjährige Flüchtlinge, an der junge Flüchtlinge auf den Hauptschulabschluss beziehungsweise qualifizierenden Hauptschulabschluss vorbereitet werden. Zusätzlich werden die Flüchtlinge von Sozialpädagoginnen und -pädagogen betreut, die den Flüchtlingen helfen, den Alltag zu organisieren und zum Beispiel zu Behörden zu gehen. Außerdem werden die jungen Menschen auch dabei unterstützt, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. Die Schule wird von der Stadt München mitfinanziert. Sie kooperiert eng mit der Städtischen Berufsschule zur Berufsvorbereitung.